Nachdem sich die Klasse BO25 im Rahmen des WiPo-Unterrichts mit den Themen Faschismus, Totalitarismus und den Theorien von Karl Marx beschäftigt hatte, bot sich die Gelegenheit sich mit der Persönlichkeit Willy Brandt zu beschäftigen, denn Willy Brandt war ein Zeitzeuge dieser Themen.

 

Also begab sich die BO25 am Vormittag des 4. Mai auf die Spuren des bekannten Politikers Willy Brandt. Zuerst ging es von der Hanse-Schule über die historischen Straßen Aegidienstraße, Balauerfohr und der Schlumacherstraße der Altstadt zum Johanneum zu Lübeck. Das Johanneum besuchte Brandt, nachdem er durch gute Leistungen von der Realschule wechselte, von 1928 bis zu seinem Abitur im Jahr 1932. Willy Brandts Leistungen waren so gut, dass ihm die Schulkosten entlassen wurden. Als nächstes ging die Klasse durch die Dr.-Julius-Leber-Straße zum ehemaligen Gewerkschaftshaus. Der SPD-Politiker Julius Leber war hier der Chefredakteur von dem sozialdemokratischen „Lübecker Volksbote“. Julius Leber war ein wichtiger Bestandteil der politischen Bildung und so etwas wie ein Mentor für den jungen Willy Brandt. Heutzutage befindet sich ein Ordnungsamt in dem Gebäude.

Anschließend machte sich die Klasse auf den Weg zum Willy-Brandt-Haus in der Königstraße, wo die Schüler eine Führung bekamen.

Als erstes wurde den Schülern mitgeteilt, dass es sich um eine Ausstellung der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung handelt. Das Gebäude war ursprünglich das Gesellschaftshaus der 1379 gegründeten Zirkelgesellschaft. Später wurde es als öffentliche Bücherei und Archiv genutzt, bis es dann umfangreich saniert wurde und am 18. Dezember 2007, dem 94. Geburtstag von Willy Brandt, die Ausstellung eröffnet wurde. Davor gab es bereits ein Willy-Brandt-Haus in Berlin. Die Zweigstelle in Lübeck wurde unter anderem durch die Bemühungen von Günter Grass ins Leben gerufen. Das Gebäude selbst hat keine Verbindungen zu Brandts Leben.

Die erste Station der eigentlichen Führung befasste sich mit der Kindheit und Jugend Willy Brandts. Hier erfuhren die Schüler auch, dass er gebürtig Herbert Ernst Karl Frahm heißt. Außerdem wurde erzählt, dass Willy Brandt am 18. Dezember 1913 in der Meierstraße 13, im Arbeiterviertel St. Lorenz, auf die Welt kam. Er war der Sohn der Verkäuferin Martha Frahm und dem Hamburger Lehrer John Heinrich Möller, der nur vorübergehend in Lübeck als Lehrer eingesetzt worden war. Willy Brandt lernte seinen Vater nie kennen. Aus diesem Grund verbrachte Brandt in jungen Jahren viel Zeit mit seinem Großvater Ludwig Frahm. Ludwig Frahm war Maurerpolier und ein engagierter Gewerkschafter sowie ein aktives SPD-Mitglied. Er sei verantwortlich für die frühe Prägung der politischen Weltanschauung von Willy Brandt. Durch die Verbindung von seinem Großvater zur SPD wird der Politiker Julius Leber auf Willy Brandt aufmerksam. Julius Leber war sowohl Reichstagsabgeordneter für die SPD als auch Chefredakteur für die Partei nahe Zeitung „Lübecker Volksbote“. Julius Leber fordert den jungen Brandt und lässt ihn bereits mit 13 Jahren einen Artikel auf der Kinderseite des Volksboten schreiben.  Durch ihn trat Willy Brandt bereits mit 16 Jahren in die SPD ein. Er schloss die Schule im Februar 1932 mit dem Abitur ab.

 

Als nächstes wurde den Schülern vermittelt, wie Brandt, aus Angst vor der politischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten, von Lübeck mit einem Fischkutter über Dänemark nach Norwegen geflohen war. Dort kam er bei der Norwegischen Arbeiterpartei (DNA) unter. In Norwegen schrieb Willy Brandt Artikel für verschiedene Zeitungen und engagierte sich im Widerstand gegen das NS-Regime, dabei nutzte er immer den Tarnnamen „Willy Brandt“. Nachdem 1940 Deutsche Truppen in Norwegen einmarschieren, musste er erneut flüchten, dieses Mal ging er ins neutrale Schweden. Hier schrieb er unter anderem auch das bekannte Buch „Krieg in Norwegen“.

 

Im Folgenden befasste sich die Führung mit dem politischen Werdegang und den wichtigsten Errungenschaften von Willy Brandt.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam Brandt nach Deutschland zurück und machte schnell Karriere. Bereits am 3. Oktober 1957 wurde er regierender Bürgermeister von West-Berlin. Als ihm am 13. August 1961 mitgeteilt wurde, dass eine Mauer in Berlin gebaut wird, befand er sich gerade auf einer Wahlkampfveranstaltung in Nürnberg, dennoch eilt er unmittelbar nach Berlin zurück. Willy Brandt war ein Gegner der Teilung Berlins und Deutschlands und ein Befürworter einer Wiedervereinigung.

 

1969 wurde Willy Brandt als erster Sozialdemokrat zum Kanzler gewählt. Er war bekannt für seine Ostpolitik unter dem Motto „Wandel durch Annäherung“. Brandt hatte immer das Ziel vor Augen, die zwei Teile wieder zu einem Deutschland zu vereinen. Dies tat er auch, als er, bevor er am 7. Dezember 1970 den Warschauer Vertrag unterzeichnete, das Mahnmal für die Opfer des Warschauer-Ghetto Aufstands besuchte und spontan aus Betroffenheit auf die Knie sank. Der Kniefall ging um die Welt und wurde überall als ein positiver Schritt gesehen.

Im Jahr 1971 erhielt Willy Brandt den Friedensnobelpreis für seine Ostpolitik.

 

Seine Kanzlerschaft ging am 6. Mai 1974 zu Ende, als sein enger persönlicher Referent Günter Guillaume als Spion der DDR-Staatssicherheit enttarnt wurde.

Brandt blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1992 politisch aktiv.

 

Am Schluss der Führung wurde den Schülern die Frage gestellt, ob Willy Brandts Ansatz der Annäherung auch heute auf politische und gesellschaftliche Probleme angewandt werden kann.

Mit dieser Frage endete ein mit Information gefüllter Ausflug und die Schüler machten sich auf den Rückweg.

 

Leon Fieberg, BO25 im Mai 2026