Sich mit dem Widerstand ukrainischer Zwangsarbeiterinnen im Dritten Reich in Lübeck auseinandersetzen, wenn am Schuljahresende die Gedanken längst bei den nahenden Ferien oder der künftigen Ausbildung sind – geht das?

Den Schülerinnen und Schüler der Klassen AV25a und 25b ist es in ihrer letzten Schulwoche gelungen. Gemeinsam mit den Kulturakteurinnen Antje Wilkening und Daniela Herzberg haben sie sich im Rahmen eines Projekts der Fachstelle Erinnerungskultur der Hansestadt Lübeck dem Schicksal von Frauen zugewendet, die in Lübecker Rüstungsfirmen Zwangsarbeit leisten mussten.

Den Auftakt der Projektarbeit bildete ein Besuch im Archiv der Hansestadt Lübeck, bei dem sich die AV-Schülerinnen und -Schüler Auszüge aus Briefen der ukrainischer Zwangsarbeiterinnen angesehen haben.

Anschließend entschieden sie sich für die Arbeit an einem Podcast oder für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem, was sie über die Frauen, die unfreiwillig in Lübeck waren, erfahren hatten.

Die Gruppe, die den Podcast erstellen wollte, vertiefte die Arbeit mit den Briefen. Ukrainische Mitschüler lasen die Originaltexte ein, während die deutsche Fassung von anderen Schülerinnen gesprochen wurde. Der Stadthistoriker Christian Rathmer stand zudem für ein Interview bereit.

Die Schülerinnen und Schüler in der Skulpturengruppe entwarf zunächst Ton-Modelle, die sie dann in  Porenbeton „übersetzten“. Zu seinem Stein, der einen Menschen zeigt, der an Eisenbahnschienen entlangläuft, sagt Sean aus der Klasse AV25a:

„Es geht um Menschen, die aus einem Zwangsarbeiterlager geflüchtet sind. Sie sind bei der Flucht Eisenbahnschienen gefolgt, um eine Stadt zu finden, in der sie Hilfe bekommen […] Sie haben es geschafft zu flüchten und mussten unterwegs Nahrung suchen, ständig Ausschau halten, um nicht entdeckt zu werden. Vielleicht waren auch Schwangere oder Kranke dabei.“

Andere Steine zeigen z. B. Briefe oder vermisste Liebe, symbolisiert durch einen Hund, der in der Heimat zurückgelassen werden musste, Kreuze als Symbol für die Widerstandskraft des Glaubens  oder einen Menschen, dessen Wort beim Empfänger nicht ankommt.

Die Arbeiten an dem Projekt konnten im „Haus der Kulturen“ stattfinden – so waren die Schülerinnen und Schüler dem Stadtarchiv, wo die Briefe der Zwangsarbeiterinnen liegen, räumlich nah und konnten sich gleichzeitig im Garten und in den Räumen des Hauses frei entfalten.

Für ihren engagierten Einsatz sei Antje Wilkening und Daniela Herzberg und der Fachstelle Erinnerungskultur, die das Projekt erst möglich gemacht hat, herzlich gedankt. Dank gilt auch dem „Haus der Kulturen“, das seine Türen für das Projekt geöffnet hat, und nicht zuletzt dem Verein zur Förderung der Beruflichen Bildung an der Hanse-Schule e.V., der dieses „Lernen am anderen Ort“ unterstützt hat.

Die Ergebnisse der Projektarbeit werden während des PopUp-ZeitLABs im Zeitraum vom 21. September bis 11. Oktober 2026 in der Königstraße 51 präsentiert.

Susanne Oevermann und Wiebke Hartmann im Juni 2026

 

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